Narradonia feiert in Niederlanden „Vastelaovend“

Narradonia feiert in Niederlanden „Vastelaovend“

Wörther Faschingsgesellschaft verbrachte Wochenende in Maastricht bei den „Keemelers“

Von Bettina Dums

Samstagmorgen, vier Uhr in der Früh, Hochbetrieb beim Busunter- nehmen Piendl im Haslet. Allerlei Gepäck wurde eingeladen: von Kof- fern über Federhüte bis hin zu Klei- dersäcken mit schillernden Sakkos und Kostümen. 36 Personen der Wörther Faschingsgesellschaft Frohsinn Narradonia starteten eine Reise nach Maastricht in den Nie- derlanden. Gegen Mittag kam die Gruppe samt Reiseführer Gerard van Rens, der sich unter anderem um die Unterbringung gekümmert hatte, dann am Hotel in Valkenburg an.

Nach einer kurzen Erfrischung auf den Zimmern machten sich die Narradonen auf den Weg nach Maastricht. Im Amrath Grand Hotel de l’Empereur wartete die „Vaste- loavends Vereiniging De Keeme- leers“ den Gästen aus Wörth mit ei- nem Empfang auf. Auf beiden Sei- ten waren einige Gesichter bereits gut bekannt, hier und dort gab es Umarmungen und freundschaftli- che Wangenküsse für die Damen. „Willkommen bei uns Maastricht!“, begrüßte Keemeleers-Präsident Ed van Moenen die Narradonen. Er er- innerte an das Jahr 2017, als die „Kamele“ – so die Übersetzung ih- res Vereinsnamens – in Wörth zu Be- such waren. Schon damals fungierte van Rens als zuverlässiger Vermitt- ler. Geplant hat er den Gegenbesuch von langer Hand mit Präsident Heinz Maier und Schriftführerin Bettina Dums. „Wir hatten einen wunderbaren Abend mit euch beim Hof- und Staatsball 2017, Fa- schingsfreude pur. Daher war schon an diesem Tag klar: Es wird ein Wiedersehen geben“, so Maier.

Ed van Moenen stellte den Narra- donen zunächst den diesjährigen „Vorst“ Armand LXX. vor. Denn im niederländischen Fasching ist tradi- tionell ein Fürst der Repräsentant der Gesellschaft. Als Dank für den Besuch überreichte Fürst Armand dem Wörther Prinzenpaar Christian III. und Prinzessin Jessica I. kleine Metallstäbe, die an blauweiß ge- streiften Stoffbändern hängen –

vom Prinzenpaar bekam der Fürst natürlich auch den Jahresorden ver- liehen.

Anschließend erläuterte Peter Nolten von den Keemeleers den weiteren Ablauf des Wochenendes: „Wir lachen gerne, wir haben Spaß, wir tanzen und natürlich trinken wir auch gerne auf den Fasching. Feiert mit uns!“. Die „Keemeleers“ hatten an dieser Stelle einen kleinen Umtrunk vorbereitet. Die Hollän- der reichten kleine Gläser, gefüllt mit 180 Milliliter Bier. Der ein oder andere schaute da etwas verdutzt, da der Bayer in der Regel andere Maßeinheiten gewohnt ist. So viel vorab: Die Größe der Biergläser blieb auch am nächsten Tag diesel- be.

Den Rest des Abends verbrachten die deutschen und niederländischen Freunde im blauweiß dekorierten Ballsaal des Grand Hotels. Zur Er- öffnung marschierten Fürst Ar- mand LXX. und sein Hofstaat, der traditionell bei den „Keemeleers“ nur aus Männern besteht, prunkvoll singend ein. Anschließend spielte eine Band auf und die Narradonia zeigte ihr komplettes Programm. Dass die Niederländer gerne singen,

stellten sie abermals beim Auftritt des Männerballetts unter Beweis. Den Schlager „Herzilein, du musst nicht traurig sein“ von den Wörther Wildecker Herzbuben Martin Wild und Christian Neumayer grölte der ganze Saal mit. Deutschen Schlager kennt der Niederländer also bes- tens. Bis spät in die Nacht wurde das Tanzbein geschwungen, bevor ein Bus der „Keemeleers“ die fei- ernden Narradonen zurück in das Hotel in Valkenburg brachte.

„Wieker Paraad“

Am Sonntag standen am Mittag eine Stadtrundfahrt durch Maas- tricht mit Gerard van Rens und die große „Wieker Paraad“ auf dem Programm. Und schon bei der Fahrt mit dem Bus fiel auf: Zum „Vaste- laovend“ (Karneval, Fasching) er- blickt man überall drei Farben: Rot, Gelb und Grün.

Zur „Wieker Paraad“ fand man sich dann ab 14.11 Uhr in den Stra- ßen im zentral gelegenen Maas- trichter Stadtteil Wyck ein. Start- punkt war das Stammlokal der „Keemeleers“. Eine Musikgruppe nach der anderen marschierte am

Platz ein, viele bunte Kostüme gab es hier zu bestaunen: Eine Maid mit einem Drachen auf dem Rücken, der Engel von Maastricht und allerlei kleine Trommler, die mit ihren fei- nen Kinderhänden im Takt auf ihr Instrument schlugen. Die Musik, so war bald zu hören, spielt bei der Pa- rade nämlich eine wichtige Rolle. Trompeten, Saxophone, Klarinet- ten, Querflöten, Glockenspiele, Sousaphone stimmten von Highway to Hell bis zum böhmischen Traum die verschiedensten Musikstile an. Etwa 30 Musikgruppen machten sich nach dem Startschuss in locke- rer Formation auf den Weg durch die Straßen. Die erste Kneipe, eine lang gezogene kleine Bar, war nach dem Einzug des Narradonia-Hof- staates samt Kapelle zum Bersten voll. Nach einigen Liedern ging die Gruppe weiter, nächster Halt: ein Irish Pub. Die Prinzengarde erwies ihrem Prinzenpaar samt Fürst Ar- mand mit einem Spalier die Ehre und begleitete die Hoheiten hinein. So ging es den gesamten Nachmit- tag von Station zu Station weiter. Immer wieder tönten „Aya, Aya, Bussi, Bussi!“-Rufe durch Wyck. Am Ende trafen sich alle Mitwir- kenden wieder vor der Bühne, wo die beste Musikgruppe des Tages ausgezeichnet wurde. Die Lederho- sen-Truppe, die die Narradonen be- gleitete, belegte einen hervorragen- den zweiten Platz.

Nach der Rückfahrt ins Hotel in Valkenburg ließen es sich die „Kee- meleers“ trotz eines anstrengenden Tages nicht nehmen, ihre Gäste noch persönlich zu verabschieden. Sie überreichten Präsident Heinz Maier einen Karottenbauer aus Me- tall, der mit nach Wörth fahren soll und Ausschau hält, bis die „Keeme- leers“ in zwei Jahren wieder nach Wörth kommen.

Am Ende bleibt der Eindruck: In Maastricht wissen die Menschen, wie man Fasching feiert. So viel an- ders als bei uns ist das nicht: bunt, lachend, tanzend – nur mit dem ein oder anderen kleineren Bier als in Bayern.

 

  

 

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